Kontaktallergie (allergisches Kontaktekzem)

Kontaktallergie (allergisches Kontaktekzem)

Allgemein: Eine Allergie ist gewissermaßen eine Fehlfunktion des Immunsystems, bei der sich Antikörper oder Abwehrzellen gegen eigentlich harmlose Fremdstoffe wenden. Es gibt unterschiedliche Formen von Allergien. Allen gemeinsam ist, dass das Immunsystem die allergische Reaktion erst „erlernen“ muss. Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierungsphase. Sie läuft meist unbemerkt ab. Erst bei erneutem Kontakt mit dem Allergen bildet sich dann die allergische Reaktion aus. Es gibt also keine angeborenen Allergien.

Die Soforttypallergie wird durch bestimmte Antikörper, nämlich Immunglobuline der Klasse E, vermittelt und richtet sich meist gegen körperfremde Proteine, z.B. in Pollen, Hausstaub, Insektengift oder Nahrungsmitteln. Klassische Erkrankungen, die Ausdruck einer Allergie vom Soforttyp sind, sind Heuschnupfen (allergische Rhinitis), allergisches Asthma bronchiale, oder im Extremfall der anaphylaktische Schock. Auch eine Urtikaria (Nesselfieber, Nesselsucht) oder gastrointestinale Beschwerden können durch eine Soforttypallergie ausgelöst werden. In der Regel treten die Beschwerden innerhalb von Minuten auf; daher hat diese Allergieform auch ihren Namen. Die Diagnostik der Soforttypallergie kann die Bestimmung des Immunglobulin E im Blut, einen Pricktest an der Haut oder auch eine Provokationstestung umfassen. Beim Pricktest werden standardisierte Allergenlösungen auf die Haut getropft, und anschließend wird die Haut mit einer kleinen Lanzette angestochen, damit das Allergen (in der Regel ein hochmolekulares Protein) in die obere Hautschicht eindringen kann. Nach 15 Minuten zeigt sich beim Vorliegen einer Allergie eine Hautrötung mit einer kleinen Quaddel.

Ein völlig anderes Geschehen liegt der Kontaktallergie zugrunde, auf die in den folgenden Abschnitten näher eingegangen wird.

Kontaktallergie: Die Kontaktallergie wird durch spezifisch geprägte T-Lymphozyten (eine bestimmte Sorte von Immunzellen) vermittelt. Hier dauert es in der Regel Stunden bis Tage, ehe sich nach dem Hautkontakt mit dem Allergen eine allergische Reaktion ausbildet; daher nennt man die Kontaktallergie auch „Allergie vom verzögerten Typ“. Das zugehörige Krankheitsbild ist das allergische Kontaktekzem. Das Ekzem entsteht primär im Kontaktbereich mit dem verantwortlichen Allergen, kann aber auch „streuen“, sich also auf andere Hautbereiche ausbreiten.

Man geht davon aus, dass bei etwa 20-25% der europäischen Bevölkerung eine Sensibilisierung im Sinne einer Kontaktallergie anzutreffen ist; („Auf Bevölkerungsebene weisen ca. 25% mindestens eine Kontaktsensibilisierung gegen Substanzen der Standardreihe auf“)*. Es handelt sich also um ein weit verbreitetes Phänomen, das zu einem allergischen Kontaktekzem führen kann. Von der Kontaktallergie sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Die Kontaktallergie bleibt lebenslang bestehen und ist bis heute nicht heilbar; es gibt für die Kontaktallergie – im Gegensatz zur Soforttypallergie – keine Hyposensibilisierung. Die Betroffenen können also nur beschwerdefrei bleiben, wenn sie ihr Allergen kennen und den Kontakt meiden.

* als Grundlage für diese Aussagen dient die Quelle:

Wolfgang Uter, Institut für Medizininformatik, Biometrie und Epidemiologie, Universität Erlangen/Nürnberg, Erlangen, Deutschland; Prävalenz der Kontaktsensibilisierung in der Allgemeinbevölkerung und in Klinikpopulationen, Hautarzt 2020 · 71:166–173; https://doi.org/10.1007/s00105-019-04506-0 ¸Online publiziert: 14. November 2019

Der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) hat sich die Identifizierung von Kontaktallergenen und das Monitoring des Kontaktallergie-Geschehens zum Ziel gesetzt. Der IVDK erfasst Daten zur Kontaktallergie aus 56 klinischen Allergieabteilungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den aktuellen IVDK-Daten ist Nickel das mit Abstand häufigste Kontaktallergen, gefolgt von Kobalt, Perubalsam, Duftstoff-Mix, Chromat und Propolis.

Symptome einer Kontaktallergie: Die Kontaktallergie führt bei Allergenkontakt zu einer Entzündung der Oberhaut (Epidermis) und der angrenzenden Lederhaut (Dermis), also zu einem allergischen Kontaktekzem mit Hautrötung (Erythem), Infiltration der Haut mit Entzündungszellen (Papeln, tastbares Infiltrat), Bläschen, Schuppung, und sekundär mit Nässen, Erosionen und/oder Krustenbildung. Das Kardinalsymptom ist der Juckreiz.

Wenn der Hautkontakt mit dem Allergen über längere Zeit besteht, kann sich ein chronisches Kontaktekzem mit folgenden Symptomen ausbilden: Verdickung der Haut durch eingewanderte Entzündungszellen, Vergröberung der Hautfalten und Verdickung der Hornschicht mit grober Schuppung und Bildung von Einrissen.

Diagnostik: Da eine Kontaktallergie lebenslang bestehen bleibt und nicht beseitigt werden kann, müssen die Betroffenen ihr(e) Allergen(e) kennen, denn nur durch Allergenmeidung können sie auf Dauer symptomfrei bleiben. Die Diagnostik erfolgt bei der Fachärztin bzw. beim Facharzt mit dem so genannten Epikutantest. Dabei werden in Frage kommende Kontaktallergene in standardisierte Form (in Vaseline oder in Wasser) in kleine Testkammern gefüllt und mit einem Pflaster auf die gesunde Haut am oberen Rücken geklebt. Nach 48 Stunden werden die Testkammern wieder entfernt, und die Testfelder werden markiert. Der Test wird nach dem Entfernen der Testpflaster sowie mindestes einen oder zwei Tage später abgelesen. Im Fall einer Kontaktallergie entwickelt sich im Testfeld des ursächlich verantwortlichen Allergens ein kleines allergisches Kontaktekzem mit Rötung, Papeln und ggf. Bläschen. Die kontaktallergische Reaktion erreicht meist an Tag 3 oder 4 nach dem Aufkleben der Testpflaster (also ein bis zwei Tage nach dem Entfernen des Pflasters) ihren Höhepunkt und klingt danach wieder ab.

Wie bei jedem biologischen bzw. diagnostischen Test gibt es auch hier gelegentlich falsch-positive Reaktionen. Die Interpretation des Testergebnisses sollte daher immer von der Fachärztin bzw. dem Facharzt oder von geschultem Fachpersonal vorgenommen werden. Der Test kann lediglich eine Aussage darüber liefern, ob der betreffende Mensch eine Kontaktallergie hat. Ob nun gerade diese Allergie für die aktuellen Hautveränderungen verantwortlich ist, kann nur unter Berücksichtigung der Krankengeschichte (Anamnese) beurteilt werden.

Daten aus dem Allergie-Pass oder der Information vom Facharzt: Die im Epikutantest festgestellten Kontaktallergien sollten in einem Allergiepass oder einer Patienten-Information dokumentiert werden. Wenn es sich bei dem betreffenden Kontaktallergen um einen Inhaltsstoff eines kosmetischen Produktes handelt, so haben die Betroffenen die Möglichkeit, ihr Allergen auf den Verpackungen der Kosmetika zu identifizieren, da dort alle Inhaltsstoffe aufgeführt sein müssen. Für viele Substanzen gibt es mehrere unterschiedliche Bezeichnungen. Um die Identifizierung zu erleichtern, wird auf den Verpackungen von Kosmetika die europaweit einheitliche „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“ (INCI) verwendet. Daher sollte die INCI-Bezeichnung auch im Allergiepass oder in der Patienten-Information aufgeführt sein.

Management der Kontaktallergie: Ein allergisches Kontaktekzem kann man gut behandeln, die zugrunde liegende Allergie jedoch nicht (siehe oben). Nur durch Meidung des Hautkontaktes mit dem Allergen können Rückfälle des Ekzems vermieden werden. Dafür ist es nötig, dass die Betroffenen ihr Allergen kennen und wissen, wo es vorkommen kann.

Quelle: Prof. Dr. med. Johannes Geier, Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK)